„Das Kreuz mit dem Kreuz“

Matthias Mertler – Heilpraktiker

Einleitung:

Trotz aller Bemühungen unseres – im internationalen Vergleich durchaus anerkannten –Gesundheitssystems bleiben die therapeutischen Erfolge bei Beschwerden des Bewegungsapparates doch häufig hinter den Erwartungen zurück. Gerade die scheinbar therapieresistenten chronischen Fälle treiben die Betroffenen nach wie vor in die ganzheitlich ausgerichteten Praxen.

Durch die mehrjährige, prinzipiell recht fruchtbare Zusammenarbeit mit einem Orthopäden vor Ort sind mir die Hintergründe für sog. „therapieresistente Fälle“ immer deutlicher geworden: überlaufene Praxen, Zeitmangel, Therapierichtlinien… machen es auch dem engagiertesten Orthopäden nicht gerade einfach. Andersherum sollten wir als naturheilkundlich ausgerichtete Therapeuten bei speziellen Fragestellungen die fachärztliche Diagnostik ebenso wie die Möglichkeiten zu Akutinterventionen bis hin zu den operativen Hilfen nutzen und sie auch unseren Patienten – wenn es angebracht ist – empfehlen.

Grundlagen:

„Das ist Verschleiß – damit müssen Sie leben!“ ist wohl der bekannteste Kommentar, wenn wir unsere Patienten zu Voruntersuchungen und vorangegangene Therapien befragen.

Unter Ganzheitstherapeuten wird der Begriff „Verschleiß“ kontrovers diskutiert: Gibt es das überhaupt? Warum hat der Rentner, der sein ganzes Leben auf dem Bau gearbeitet hat, noch relativ intakte Gelenkflächen und der Mittdreißiger bei seinem Bürojob schon ausgeprägte Arthrosen? Warum passen übelste Röntgenbefunde mit fehlenden Beschwerden und umgekehrt starke Schmerzen und Funktionseinschränkungen mit unauffälligen Röntgen- und MRT-Befunden scheinbar nicht zusammen?

Die Thematik ist offensichtlich komplizierter. Sinnvoll ist – wie bei allen ganzheitstherapeutischen Ansätzen – die Berücksichtigung der individuellen Konstellationen.

 

Folgende Bereiche sollten auf jeden Fall abgeklärt werden:

  • Konstitutionelle Gewebe- / Organschwächen (Bindegewebe, Leber, Nieren…)
  • Statikprobleme (Beinlängendifferenz, Beckenverdrehungen, Dislokationen…)
  • Fehlbelastung / relative Überlastung (berufsbedingt, Statikfehler, Schonhaltungen)
  • Stoffwechselerkrankungen
  • Fehl- / Mangelernährung („Eiweißmast“, Übersäuerung, Vitalstoffmangel)
  • Erregerbelastungen (z.B. Streptokokken, Borrelien…)

Diagnostik

Neben ausführlicher aber trotzdem zielgerichteter Anamnese hat sich die Irisdiagnose als Hinweisdiagnostik („Wegweiser“) gerade bei chronischen Beschwerden in vielen Fällen bewährt. Sie liefert uns Hinweise auf Schwachstellen und Belastungen, die evtl. mit dem Krankheitsbild in Verbindung zu bringen sind:

  • Übersäuerung / Verschlackung
  • Bindegewebsschwäche, Lymphbelastungen
  • Vegetative Ausgangslage (sensibel, verspannt, ängstlich…)
  • Rheumatische Belastungen, Entzündungen

Der Irisdiagnostische Eindruck führt uns vielfach auch zu weiterführenden Blut- und Stuhluntersuchungen, die von Vorbehandlern noch nicht abgeklärt wurden (Rheuma/Entzündung, Leber, Nieren, Immunschwächen…).

Bei der anschließenden optischen Beurteilung und manuellen Untersuchung (im Stehen, Sitzen und im Liegen) ergeben sich häufig folgende Befunde:

  • Haltungs-, Statik-Fehler
  • WS-Verkrümmungen (Lordose, Kyphose, Skoliose)
  • erhöhter Muskeltonus
  • Schonhaltungen mit Muskelverspannungen / Myogelosen
  • Bewegungseinschränkungen, funktionelle Blockaden
  • Fehlstellungen (Beckenschiefstand, Wirbelfehlstellung)

Probleme

Die Bewertung bzw. der Stellenwert einzelner Befunde differiert durchaus – je nach Sichtweise (s. Grundlagen). Die Beschwerden / Schmerzen ergeben sich häufig durch Schonhaltungen bzw. relative Überlastung des Halteapparates und nicht zwangsweise aus den arthrotischen Veränderungen am Gelenk. Daher ist es in vielen Fällen sinnvoller und erfolgreicher, den Halteapparat und die Gelenkkapsel zu behandeln, als sich therapeutisch allein auf den „Verschleiß“ zu konzentrieren.

Die bei den manuellen Untersuchungen fühlbaren / feststellbaren Muskelverhärtungen und „Versulzungen“ im weichen Bindegewebe durch Verschlackung und Übersäuerung sind oft sehr ausgeprägt und müssen therapeutisch angegangen werden.

Zu berücksichtigen sind auch Verschiebungen im Beschwerdebereich durch unbewusste Schonhaltungen. Beschwerden im LWS- und HWS-Bereich sind im „Alltagsbetrieb“ schnell störend – im BWS-Bereich dagegen werden sie häufig länger kompensiert, vertagt und „vergessen“. Erst wenn dann z.B. die HWS kompensatorisch Ärger macht, wird der Therapeut in Anspruch genommen. Daher ist es immer notwendig – zumindest bei Neuaufnahmen – den ganzen Bewegungsapparat zu beurteilen („von den Hacken bis zum Nacken“).

Allgemeine Therapie-Maßnahmen:

Noch vor Beginn einer gezielten / lokalen Therapie verordnen wir in den meisten Fällen eine Entgiftungs- / Ausleitungskur gemäß Irisbefund. Dazu gehören üblicherweise naturheilkundliche Leber-, Nieren- und Lymphmittel. Dieser „3-er Pack“ wird von verschiedenen Firmen auch so angeboten (z.B. Fa. Hanosan, Heel, Pascoe, Phönix, Truw…). Bei Gewebeübersäuerung bietet sich zudem die Therapie mit Rechtsmilchsäure an (L(+)-Milchsäure, z.B. Remisyx® Tr.). Das erscheint auf den ersten Blick widersprüchlich – die Rechtsmilchsäure als körpereigenes Produkt ist aber an der Blut-pH-Wert-Regulierung beteiligt und sorgt für eine physiologische pH-Wert-Differenz zwischen Blut und Gewebe, die einen Stoffaustausch erst möglich macht! (Blut-pH < Gewebe-pH)
( s.a. W. Fryda: Diagnose Krebs, ISBN 3-8334-1021-3).

Dadurch können auch (substituierte) Basenanteile aus der Nahrung das Gewebe besser erreichen und werden nicht schon im Darm oder Blut abgepuffert. Der schulmedizinisch oft propagierte „Therapieversuch“ mit Joghurt ist eher nachteilig: im Joghurt liegt die Rechtsmilchsäure meist als Mazerat vor. D.h., die enthaltene (neurotoxische) Linksmilchsäure neutralisiert die Rechtsmichsäure und die Stoffwechselrückstände aus dem Eiweiß fördern häufig die Verschlackung und die sich daraus ergebenden rheumatoiden Beschwerden. (cave: „Eiweißmast“ bei älteren Osteoporose-Patientinnen!)

Als Ausleitungs- und gleichzeitig schmerzlindernde Möglichkeit bieten sich auch homöopathische / phytotherapeutische Kombipräparate mit Bryonia, Berberis, Colchicum, Ledum… an (z.B. Rheucostan® R Tr.), die den Stoffwechsel und die Diurese anregen und so – neben einer deutlich gesteigerten Trinkmenge – zur Entschlackung beitragen.

Weitere Therapie-Optionen:

Parallel zu den evtl. notwendigen gezielten chiropraktischen Interventionen haben sich manuelle Therapieansätze bestens bewährt:

  • Dehnung / Mobilisierung
  • diverse Schröpfmassage-Techniken mit therapeutisch wirksamen Ölen:
    • Melissenöl zur allgemeinen Entspannung
    • Campher- und Rosmarinöl zur Durchblutungssteigerung
    • Wintergrünöl bei rheumatoiden Beschwerden
    • Thymianöl bei Ischialgie und Arthritis
      (Jeweils ca. 20 Tr. reines Öl mit 50 ml Arnika-Massageöl / Fa. Weleda mischen)
  • Baunscheidtieren
  • Paravertebrale medikamentöse Infiltrationen über mehrere WS-Segmente:
    intracutane Quaddelung mit Procain oder Lidocain, anschließende Infiltration mit geeigneten Präparaten durch die Quaddeln hindurch bis an die bindegewebige Kapsel oder in den verhärteten Muskelbauch (z.B. Hanomyloticum® Amp.)

Das Angebot an wirksamen Ampullenpräparaten ist erfreulicherweise recht gut – so bieten diverse Hersteller Präparate mit verschiedenen Therapieschwerpunkten an, aus denen wir uns von Fall zu Fall sehr gezielt bedienen können. (Fa. Hanosan, Heel, Infirmarius, Pascoe, Pharmarissano…)

 

So können unterschiedliche Therapieziele – auch in Kombination – berücksichtigt werden:

  • Muskelentspannung
  • Schmerzlinderung
  • Durchblutungssteigerung
  • Vegetative Stabilisierung
  • Ausleitung
  • Regeneration

Eine weitere Option bei Spritzenangst und Marcumar-Patienten ist die Ultraschallmassage (V-Sonic), bei der Wirkstoffe in speziellen Gelen in Kombination mit homöopathischen Präparaten schmerzfrei in das betroffene Areal einmassiert werden können.

Fazit

Die Therapie des Halteapparates ( Muskeln , Sehnen, Bänder) kann auch bei arthrotischen Gelenkveränderungen in vielen Fällen Linderung bewirken und den „Alltagsbetrieb“ wieder möglich machen.

Moderate Bewegung nach Anleitung (mit Kontrollen und weiteren „Hausaufgaben“) ohne Belastung der Gelenke in Verbindung mit naturheilkundlichen Funktionsmitteln kann helfen, Schmerzmittel zu reduzieren, das Fortschreiten der degenerativen Veränderungen zu verzögern und im besten Fall Regeneration zu ermöglichen.