Funktionelle Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Matthias Mertler, Heilpraktiker

Einleitung:

Kaum eine funktionelle Organstörung erzeugt beim Betroffenen so viel Aufmerksamkeit wie „nervöse Herzbeschwerden“ (Cor nervosum).

Im Unterschied zu funktionellen Beschwerden z.B. der Harnwege, die zwar oft ein hohes „Lästigkeitspotential“ haben, werden Herzgefühl, Herzstiche und Kreislaufsensationen schnell mit Herzinfarkt und Herztod in Verbindung gebracht. Die daraufhin häufig (und hoffentlich) eingeleitete Hausarzt- / Facharzt-Untersuchung mit eigentlich beruhigendem Ergebnis („…es ist alles OK mit Ihrer Pumpe!“) zerstreut vielfach nicht die Ängste, da es nichts an der real vorhandenen Herzsymptomatik ändert.

Deshalb fühlen sich vom Kardiologen als organgesund entlassene Patienten oft unverstanden, machen Druck bei ihrem Hausarzt, der die Problematik schon mal mit Beruhigungsmitteln und β-Blockern angeht, die in diesem Fall sicherlich keine Lösung des Problems darstellen.

Grundlagen:

Funktionelle Herzbeschwerden (Syn.: Herzneurose, Herzphobie, Herzangstsyndrom, nervös bedingte Herzbeschwerden, psychovegetatives Syndrom) können folgende Symptome induzieren:

Organbezogene „Herzanfälle“ mit:

  • Herzenge, -schmerz, -stechen, -druck
  • Herzklopfen
  • Herzrasen (Tachykardie)
  • Herzangst

Durch die enge Beziehung zu vegetativen Regulationssystemen können sich neben Störungen in der Blutdruckregulation (hypotone Krisen) und deren Folgen (Schwindel, periphere Durchblutungsstörungen…) auch allgemeine Beschwerden einstellen:

  • Unruhe, Schweißausbrüche, Zittern
  • Panikattacken
  • Schlafstörungen – spez. Einschlafstörungen
  • belastungsunabhängige thorakale Schmerzen
  • Müdigkeit, Leistungsschwäche
  • Kopfschmerzen
  • Globusgefühl
  • übermäßiges Kontrollbedürfnis

Ursachen:

Die Ursachen sind wie die möglichen Symptome sehr vielfältig. Meist sind Menschen in den mittleren („besten“) Lebensjahren betroffen, die beruflich und/oder privat stark gefordert sind. Karriere, Arbeitsplatz, Zukunftsangst, Partnerschaft, Kinder prägen diese Lebensphase – evtl. kommt dann noch die Betreuung der Elterngeneration dazu…

Hoher oder dauerhafter Disstress und Überforderung ohne Kompensations- und Regenerationsmöglichkeiten führen zu vegetativen Fehlsteuerungen. Wenn der anfängliche „Kick“ mit hohen Glucokortikoid- und Adrenalin-Spiegeln zum Dauerzustand wird, können zusätzliche akute Belastungen i.S. eines Auslösers (Trigger; „sich etwas zu Herzen nehmen“) den „Systemzusammenbruch“ herbeiführen.

(s. Abb. 1)

Stress

Abb. 1: Stress und seine Folgen

 

Ähnlich wirken sich Perspektivlosigkeit („Ich kann rackern wie ich will – ich komm‘ auf keinen grünen Zweig“) und fehlende berufliche und auch private Anerkennung aus: Frust und Ohnmacht stärken nicht gerade das „Nervenkostüm“.

Ätiologisch können neben der Stressinduktion auch konstitutionell bedingte vegetative Labilität, gestörte Angstverarbeitung und vertebragene Ursachen i.S. einer somato-psychischen Irritation eine Rolle spielen. So kommt es manchmal in unserer Praxis vor, dass wir bei nachweislich „herzgesunden“ Patienten mit ausgeprägter Herz-Symptomatik funktionelle Blockaden und Fehlstellungen in der Brustwirbelsäule finden (Th1 bis Th4) und diese Patienten nach chiropraktischen Interventionen und Reflexzonenbehandlungen die Praxis beschwerdefrei verlassen können.

Differentialdiagnose:

Während einer gezielten (Stress-) Anamnese ergeben sich bei funktionellen Herz-Kreislaufbeschwerden meist folgende charakteristische Schilderungen:

  • keine oder wenig Probleme bei körperlicher Belastung (Leistungsschwächen beziehen sich eher auf den untrainierten Bewegungsapparat als auf die Herz-Kreislauf-Situation)
  • Beschwerden überwiegend in Ruhephasen oder beim Einschlafen
    („kann nicht abschalten“).

Bei der Blutdruckmessung finden sich häufig hypotone Blutdrucklagen mit kleinen Amplituden und dem sog. „Stresspuls“:
weich, unregelmäßig, erhöhte Frequenz.

Die Irisdiagnose zeigt uns i.d.R. eine vegetativ sensible Konstitution (pumpende Pupille, Krampfringe) oft auch funktionelle Störungen und Anlageschwächen im Verdauungstrakt (Gastritis, Duodenitis, Enzymschwächen, Dysbiosen).

So kann z.B. eine Histaminose (= Unverträglichkeit) neben Flush, Kopfschmerzen auch Herz-Rhythmusstörungen auslösen.
Das gleiche gilt für echte Lebensmittel-Allergien. In vielen Fällen besteht daher Beratungsbedarf zu den Themen Ernährung, Mangelerscheinungen (z.B. Magnesium), Vitalstoffsubstitution…

(s. Abb. 2)

Herzneurose
Abb. 2   Herzneurose

(cave Verdauungstrakt: V.d. Allergien, Histaminose…/s. erweiterte Kapillaren im Augenwinkel)

Im nächsten – manuellen – Diagnoseschritt sollten noch folgende Möglichkeiten abgeklärt werden:

  • M. Roemheld: Zwerchfellhochstand durch starke Gasbildung in Magen oder Darm – hier können durch Kompression des Thorax Missempfindungen und Irritationen am Herzen ausgelöst werden (dto. Luftnot /“Seufzen“)
  • BWS-Syndrom: funktionelle Blockaden / Fehlstellungen, Muskelhartspann (spez. C6 bis Th4). Durch die nervale / reflektorische Verbindung dieser Segmente (Head’sche Zonen) mit inneren Organen können die Herzfunktionen ebenfalls gestört sein.

Diese „Verdrahtung“ lässt sich aber auch therapeutisch nutzen: mit Chiropraktik, Schröpfmassagen, Baunscheidtieren, Injekto-Akupunktur / intracutanen Reiztherapien und Salbenanwendungen lassen sich organische Beschwerden gut beeinflussen (cuti-visceraler Reflexweg). Die Frage nach einer evtl. Hyperthyreose und speziell die individuelle Gefährdung durch arteriosklerotische Vorgänge und Stoffwechselentgleisungen können durch ein aussagefähiges Blutlabor definiert werden.

Dabei sollten folgende Parameter als Basisprofil bestimmt werden:

  • Schilddrüse:
    FT3, FT4, TSH
  • Cardiovaskuläres Risiko:
    Homocystein
    Lipoprotein a
    CRP
    Fibrinogen
  • Stoffwechsel:
    Cholesterin, HDL, LDL
    Triglyceride
    Blutzucker, HbA1C
    Leptin
  • Leber:
    Gamma-GT
    GPT
  • Niere: 
    Harnsäure
    Kreatinin

Die meisten Patienten in naturheilkundlichen Praxen sind entsprechend fachärztlich durchgecheckt und mit Medikamenten „versorgt“ worden. Ist das allerdings noch nicht geschehen, sind neben dem o.g. Blutlabor entsprechende Untersuchungen zum Ausschluss von Koronaren Herzerkrankungen (KHK) einzuleiten!

Therapie-Optionen bei funktionellen Herz-Kreislauf-Erkrankungen:

Sind anamnestisch und differentialdiagnostisch alle Fakten zusammengetragen, bieten sich verschiedene Therapie-Optionen an, die individuell kombinierbar sind.

Zur Behandlung nervös bedingter Herzbeschwerden eignen sich Präparate mit Crataegus, Convallaria, Spigelia u.a., die die koronare und periphere Durchblutung verbessern, das Myocard stärken, die Reizbildung und Erregungsleitung am Herzen normalisieren und insgesamt reizabschirmend wirken (z.B. Confludin® N Tr. / Fa. Truw, 3x täglich 15-20 Tr.; durch die zusätzlich positiv inotrope Wirkung ist dieses Präparat auch für die Therapie leichter Herzinsuffizienz und des Altersherzens geeignet).

Darüber hinaus ist die Aufklärung des Patienten über die Harmlosigkeit der Beschwerden und die Empfehlung entspannungstherapeutischer Maßnahmen (Autogenes Training, Yoga, Stressmanagement) außerordentlich wichtig und hilfreich. Allein die „verordnete Auszeit“ mit der Möglichkeit zu Besinnung, Ablenkung und Regeneration wirkt sich schon positiv aus.

Stress-Vermeidung, Stress-Management-Konzepte und Entspannungsverfahren sind prinzipiell wichtig – in den meisten Fällen kurzfristig aber kaum machbar, so dass die symptomatische und die Konstitutionstherapie (individuelle Schwachstellen / s. Iris-Diagnose) anfangs erfolgversprechender ist. Moderates körperliches Training – spez. Ausdauertraining (Joggen, Nordic Walking, Aqua-Jogging) – verbessert nicht nur die körperliche Belastbarkeit, sondern stärkt auch die vegetativen Regelmechanismen.

Die Möglichkeit, prinzipiell selber etwas gegen seine Beschwerden zu tun, nimmt dem Betroffenen das Gefühl der Hilflosigkeit und des Ausgeliefertseins. So hat sich neben den körperlichen Aktivitäten die Salbenanwendung mit Cor-Vel® Truw Herzsalbe als selbst durchführbare segmentale Reiztherapie hervorragend bewährt. Dabei wird 1 bis 3x täglich und bei Bedarf ein 1 bis 2 cm langer Salbenstrang auf das Brustbein, die linke Thoraxseite und bei Ausstrahlungsbeschwerden auch auf die Innenseite des linken Oberarmes aufgetragen und einmassiert.

Die transcutane therapeutische Wirkung wird durch eine Kombination unterschiedlicher ätherischer Öle erreicht (Campher, Fichtennadelöl, Menthol, Rosmarinöl): Spannungszustände lösen sich, die segmentale und die koronare Durchblutung werden verbessert.

Fallbeispiele

Fallbeispiel 1:

Pat., 50 J.      Bankangestellter, klagt über Angst und Beklemmungsgefühl, vermehrtes Schwitzen, Herzklopfen, vorschnelle Ermüdung, Zerschlagenheitsgefühl

Blutlabor: alles im Normbereich (BB, DBB, Schilddrüse, Leber, CRP, Lipidstoffwechsel, Elektrolyte…)

Stuhllabor: massive Darmmykose, pH-Wert 5,1

Diagnosen: Darmmykose, Übersäuerung, Cor nervosum, Myogelosen/BWS

Therapie:

  • antimykotische Therapie mit Nystatin;
  • Umstellung der Ernährung auf vorwiegend basische Lebensmittel;
  • Auffüllen der Basenspeicher mit Basen-Thohelur®;
  • Schröpfmassage der myogelotischen Rückenmuskulatur;
  • Wg. der Herzsymptome: Confludin® N Tr. / Fa. Truw, 3x tägl. 30/20 Tr. Cor-Vel® Truw Herzsalbe bei Bedarf in die Herzgegend einreiben

Verlauf: kontinuierliche Besserung der Beschwerden innerhalb von 6 Wochen, treibt jetzt regelmäßig Sport, ernährt sich besser, braucht weiterhin „Betreuung“; hat mit den Confludin® N Tr. und der Cor-Vel® Truw Herzsalbe die Möglichkeit, sofort „selber etwas zu tun“

Fallbeispiel 2:

Pat., 58 J.   Freiberufler, „gibt nochmal alles“ für seine Altersversorgung, sein Haus, seine Firma…; sportlicher, muskulöser Typ; kommt aus Zeit- und Stressgründen nicht zu regelmäßigen körperlichen Betätigungen;
bei Stress: Herzgefühl und „Rippenschmerzen“, Konzentrationsschwächen, Einschlafstörungen („hört und spürt die Pumpe“)

Blutlabor: außer moderat erhöhten Leber- und Fettstoffwechselwerten alles o.B.

Diagnosen: Cor nervosum, funktionelle Blockaden mit Muskelhartspann LWS und BWS

Therapie:

  • Entspannungsverfahren und regelmäßiger Sport sind „nicht machbar“ – 2 Termine pro Woche in der Praxis aber schon: chiropraktische Mobilisierung mit anschließender strammer Segment- / Schröpfmassage als Kuranwendung über 6 Wochen;
  • Eicosan 750 (Omega-3-Konzertrat) 2x tägl. 1 Kps. über 2 Monate zur Verbesserung der Fettstoffwechsellage und als Gefäßschutz;
  • Cor-Vel® Truw Herzsalbe bei Bedarf (regelmäßige Anwendung „nicht machbar“ bzw. wird vergessen)

Verlauf:   Die Reflexzonenbehandlung am Rücken verbessert kontinuierlich das Allgemeinbefinden; Cor-Vel® Truw Herzsalbe als „Notfallmittel“ wirkt prompt und verhindert das „Hineinsteigern / Aufschaukeln“ der Herzsymptomatik.

Fazit:             

Wenn es gelingt, dem Patienten bei seinen funktionellen Herz-Kreislaufbeschwerden die Angst vor Schlimmerem zu nehmen und ihm neben einer organspezifischen Therapie in „Krisensituationen“ Möglichkeiten zur Selbstbehandlung aufzuzeigen, kann auch wirksame Prophylaxe betrieben werden.

Denn wenn sich bei diesen Patienten die Lebenssituation nicht ändert, droht langfristig schon die Entwicklung einer koronaren Herzerkrankung.