Therapie-Optionen bei Atemwegserkrankungen

Matthias Mertler, Heilpraktiker

Wenn die kalte Jahreszeit vor der Tür steht, können wir Therapeuten uns wieder verstärkt auf die Behandlung von Atemwegsinfekten einrichten. In der Vergangenheit stellten sich mir dabei im Wesentlichen drei verschiedene Patienten-Gruppen dar: „Stammpatienten“, die frühzeitig und konsequent die Praxis konsultieren, naturheilkundlich „Vorbelastete“, die sich nach erfolgloser Selbstmedikation dann doch noch in Behandlung begeben und die häufig antibiotisch vorbehandelten Neupatienten, die vom Circulus vitiosus der rezidivierenden Infekte im wahrsten Sinne des Wortes „die Nase voll haben“.

Über die Medien und Apotheken – dies ist kein Vorwurf – werden reichlich Präparate für die unterschiedlichsten Infektionen vorgestellt – nur es gibt eben kein Mittel, was für alle gut ist und bei jedem Patienten funktioniert.
Als naturheilkundliche Therapeuten sollten wir uns daher immer wieder auf ganzheitliche Aspekte und unterschiedlichste Beschwerde-Konstellationen einstellen, um für den jeweiligen Patienten ein individuelles Therapiekonzept erstellen zu können.

Grundlagen:

Das eigene Immunsystem hat die beste Abwehrstrategie

– alles andere ist nur eine Notlösung!

Soll heißen: die Stärkung und Wiederherstellung der eigenen immunologischen Möglichkeiten muss im Vordergrund stehen – alle antibiotischen Therapieansätze sollten für den Notfall reserviert bleiben!

Schaut man sich das Immunsystem aus der Sicht des anfliegenden / angehusteten Erregers an, so trifft er zuerst auf die äußeren Barrieren wie Haut und Schleimhäute. Schafft er es, diese erste immunologische Hürde zu überwinden, sieht er sich mit der körpereigenen Abwehr konfrontiert, die im ersten unspezifischen Anlauf nach Art einer „Schnellfeuerwaffe“ mit Phagozyten, Komplementfaktoren, Opsonierung und Killerzellen u.U. starke Entzündungsreaktionen hervorrufen kann. Damit das möglichst nicht noch einmal passiert, werden im Rahmen der spezifischen Abwehr innerhalb von Tagen bzw. Wochen die „Scharfschützen“ ausgebildet: Gedächtniszellen, T- und B-Lymphozyten und Antikörper, die gezielt und erregerspezifisch eingreifen.

Wie alle komplizierten Systeme ist auch das Immunsystem recht störanfällig. Zahlreiche Negativeinflüsse können auf Dauer das Immunsystem schwächen und sollten im Rahmen einer ganzheitlichen Therapie möglichst ausgeschaltet werden:

  • Unangemessener Sport bzw. körperliche Überanstrengung bei schlechtem Trainingsstand produziert freie Radikale und zerstört Muskel- und Knorpelzellen, die vom – evtl. überforderten – Immunsystem „entsorgt“ werden müssen (auch Leistungssportler leiden häufig unter Infektanfälligkeit);
  • Umweltschadstoffe / Genussgifte müssen aktiv entgiftet werden und behindern Zellfunktionen und Regelkreise;
  • Mineral- / Vitalstoffmängel führen zu Ver- und Entsorgungsproblemen im weichen Bindegewebe (= immunologisches Steuerzentrum!) und den Parenchymzellen;
  • Psychovegetative Überforderung durch Lebenskrisen (privat, beruflich):

Stress führt langfristig über die Schiene Gehirn – Hypothalamus – Adenohypophyse – Nebennierenrinde / Cortisolausschüttung zur Schwächung der immunologisch aktiven Zellen. Durch den Dauerstress auf das Vegetativum verändert sich zudem die Reaktivität aller möglichen Regelkreise (häufig: Herz-Kreislauf, Magen-Darm);

  • Darmmilieustörungen (durch Medikamente – spez. Antibiotika, Fehl- / Mangelernährung, vegetative u/o funktionelle Organschwächen, Maldigestion, Malabsorption, chronische Darmerkrankungen…) führen ebenfalls langfristig zu Überforderung und Erschöpfung des Immunsystems (mit 70-80% aller immunologisch aktiven Zellen ist der Darm das größte immunologische Organ!).
    (s. Abb. 1)

negativeinfluss Immunsystem

Abb. 1

Therapeutische Ansätze:

Aus den bisher dargestellten Fakten lassen sich schon erste Therapieansätze ableiten, die aber nicht unbedingt für jeden Patienten den gleichen Stellenwert haben müssen:

  • Verbesserung der Lebensführung und vegetative Stabilisierung ermöglicht Regeneration.
  • Vitale Frischkost und viel Mineralwasser neutralisieren die freien Radikalen und verbessern den Zellstoffwechsel.
  • Moderater Sport aktiviert Ausleitung und Entgiftung und stabilisiert das Vegetativum.
  • Gezielte Darmsanierung (auf der Basis einer aussagefähigen Stuhluntersuchung) verbessert Digestion und Absorption und stabilisiert langfristig das Immunsystem.

Das hört sich bis hierher alles recht einfach an – ist auch für viele Patienten nachvollziehbar, aber durch unterschiedlichste Problemkonstellationen im „Alltagsbetrieb“ häufig nicht machbar. Der Therapeut ist gefordert, neben der Beratung zur Lebensführung (s.o.) individuelle und wirkungsvolle Therapien anzubieten.

Dazu bietet sich dem Ganzheitstherapeuten ein weites Feld:

Neben dem gezielten Einsatz abwehrsteigernder Präparate und Verfahren – dabei sind immunmodulierende von immunstimulierenden Maßnahmen zu unterscheiden – ist das Erkennen und Behandeln der konstitutionellen Schwächen langfristig und zur Rezidivprophylaxe von besonderer Bedeutung: Immunmodulation bedeutet sanfte Abwehrsteigerung durch Subsitution von z.B. Zink, Selen, Vit. C, Probiotika, Homöopathika, Phytotherapeutika, Hydrotherapie u.a..

Immunstimulation bringt das Immunsystem „auf Trab“ – kann also auch zu Erstverschlimmerungen führen, chronische Herde aufrühren und bei insgesamt geschwächten Patienten evtl. auch kontraindiziert sein. Vor dem Einsatz von z.B. Eigenblutbehandlungen mit Medikamentenzusatz, Echinacea-Präparaten und einigen Probiotika zur Therapie akuter Beschwerden ist abzuklären, ob der Patient diese relativ starken Reize in dieser Phase überhaupt verarbeiten kann. „Schlummert“ dagegen die Immunabwehr, ist die Immunstimulation sicher die Methode der Wahl!

Die gleichzeitige Behandlung der individuellen konstitutionellen Schwachstellen während der Infektphase – spätestens im Anschluss als Prophylaxe und bei chronisch rezidivierenden Infekten – verbessert die Erfolgsaussichten und optimiert den Krankheitsverlauf.

Diese „Schwachstellen“ lassen sich über die Irisdiagnose relativ schnell und einfach feststellen und im Zweifelsfall über gezielte Blut- und Stuhl-Labor-Untersuchungen verifizieren:

  • Übersäuerung blockiert den Zellstoffwechsel – hier sind Basenmittel angesagt.
  • Verschlackungen des weichen Bindegewebes (= Grundsubstanz n. PISCHINGER) können mit Entgiftungs- und Ausleitungstherapien angegangen werden (Lymphe, Leber, Nieren).
  • Lymphatiker – spez. Kinder und Jugendliche – benötigen Lymphmittel.
  • Darmmilieustörungen sind ursächlich an Immunschwäche-Erkrankungen beteiligt!
  • Atemwegsinfekte des älteren Patienten erfordern u.U. eine Herz-Kreislauf-Stärkung.

Prinzipielle Vorgehensweise:

Bei konstitutionell bedingter „Schwachstelle Atemwege“:

nicht untätig „abwarten und beobachten“, sondern aktiv Hilfestellung geben!
heißen Tee trinken, keine körperliche Anstrengung, keine Sauna,
heiße Vollbäder mit Eucalyptus-Öl, Menthol (nicht bei kleinen Kindern!),
Substitution von Vit.C, Zink, Selen,
möglichst frühzeitige, individuell „passende“ homöopathische / phytotherapeutische Intervention.
z.B. beim Lymphatiker:
Lymphomyosot Tbl./Tr., / Fa. Heel, 3-5x tägl.1Tbl./15 Tr. lutschen (= Homöop. Komplexmittel für die Lymphe)

Akuter Atemwegsinfekt:

Dieser ist in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle viral bedingt – schon aus diesem Grund ist eine Antibiotika-Therapie kontraindiziert und durchaus als Behandlungsfehler zu diskutieren!

Gelingt es nicht, den beginnenden viralen Infekt „über den Berg“ zu bringen – d.h., immunologisch auszuheilen und nicht antibiotisch zu kupieren – kommt es nachfolgend häufig durch bakterielle Folgeinfektionen zum Vollbild einer fieberhaften Erkältung mit Rhinitis/Sinusitis, Laryngitis/Pharyngitis oder Bronchitis, die bei schlechter Abwehrlage bis zur Lungenentzündung „durchmarschieren“ kann.

Medikation:

Allg. Abwehrsteigerung:
Original-Tinktur N Truw, stdl. bis 6x tägl. 10 Tr. ggf. in etwas Flüss.
(= Komplexmittel bei Fieber, Schmerzen u. Verkrampfungen)
Vit.-C-Infusionen (Pascorbin 7,5g) 2-1x pro Woche i.v.
Truw Injectio febrogrippalis + Injectio lymphatica Amp.
(3-1x pro Woche i.m. u/o gem. Truw Homöosiniatrie-Konzept i.c. in Akupunktur-Punkte u. korrespondierende Segmente) (s. Abb. 2)

Atemwegsinfekt

Abb. 2

Chronisch rezidivierende Atemwegsinfekte:

Über einen längeren Zeitraum mehrfach antibiotisch vorbehandelte Patienten leiden häufig unter chronisch rezidivierenden Infekten, zu denen sich zunehmend auch Atemwegs- und Lebensmittel-Allergien gesellen (s. Fallbeispiel). Jede Antibiotika-Behandlung wirkt prinzipiell abwehrschwächend, was sich gerade bei Säuglingen und Kleinkindern – deren immunologische Entwicklung noch nicht abgeschlossen ist – verheerend auswirken kann.

Die Wiederherstellung des Darmmilieus durch gezielte Darmsanierung und die Modulation bzw. Stimulation des Immunsystems durch individuell geeignete Verfahren und Medikamente über einen längeren Zeitraum kann auch in hartnäckigen Fällen noch zu Linderung und Heilung führen.

 

Therapie:

Phase 1:

  • orale Konstitutionstherapie einleiten (z.B. Lymphmittel)
  • Blut- und insbesondere Stuhl-Labor-Untersuchung veranlassen (sinnvolle Parameter evtl. mit dem Laborbetreiber absprechen)
  • Truw Injectio lymphatica Amp. (2x pro Woche i.m. u/o gem. Truw Homöosiniatrie-Konzept i.c. in Akupunktur-Punkte u. korrespondierende Segmente)
  • Vit. B12 + Folsäure Amp. 1x pro Wo. i.m. (insges. 4-6x)

Phase 2:

Therapie-Optionen je nach Laborergebnis und Beschwerdebild:

  • Abwehrstärkung:
    • Eigenblut-Behandlungen evtl. mit Medikamentenzusatz (z.B. mit diversen Truw Injectio Amp.; Echinacea comp. Amp./Fa. Heel)
    • Gezielte Darmsanierung gem. Laborbefund (Funktionsstärkung, Schleimhautschutz, Prä- / Probiotika-Kuren mit immunkompetenten Keimen s. Fa. Nutrimmun)
    • Sauerstoffanwendungen (hier ist die Inhalation mit ionisiertem O2 besonders wirksam)
  • Vitalstoff-Substitution (z.B. MucoZink Plv., Fa. Nutrimmun)
  • bei älteren Patienten:
    • evtl. zusätzliche Stärkung der Herz-Kreislauffunktionen mit Campher, Weißdorn (z.B. Korodin-Tr., Confludin-Tr.),
    • extern auch mit Rosmarin-Öl (reines Öl mit Massageöl „verdünnen“)
      (z.B. als BWS-Reflexzonentherapie / Schröpfmassage, s.u.)

Bei allen Altersgruppen hat sich die zusätzliche manuelle Therapie über die entsprechenden Reflexzonen (hier bevorzugt HWS und BWS) bewährt: Schröpfen, Schröpfmassage, pneumatische Pulsationen evtl. mit anschließenden paravertebralen i.c.-Injektionen geeigneter Ampullen (z.B. Truw Injectio-Präparate), die auch im Sinne der Homöosiniatrie an den Ohr-und Meridian-Akupunkturpunkten hervorragend wirken.

(s. Abb. 3)

Therapie chronische Infekte

Abb. 3

Ein häufiges Problem bei der Umstellung von antibiotischen auf abwehrsteigernde Konzepte sind akute bzw. rezidivierende Infekte gerade in der Anfangsphase, die ein entsprechendes Verständnis und die Geduld des Patienten erfordern – evtl. ist ein zweiter oder dritter Anlauf nötig. Immunmodulation benötigt Zeit und ist nicht „übers Wochenende“ zu schaffen!

Bei Berücksichtigung der individuellen Konstellationen und dem entsprechenden therapeutischen Einsatz lassen sich aber auch in den hartnäckigsten Fällen langfristig Linderung und Heilung erreichen.

Fallbeispiel:

Patientin B.L., 63 J., ztw. asthmoide Beschwerden mit Druck auf der Brust, Hyperthyreose,chron. rezid. Atemwegsinfekte,
Herz-Kreislauf-Situation u. Blut-Labor gem. Hausarzt oB;

Anlass in die Naturheilpraxis zu kommen: Meteorismus, „Reizdarm“, Unverträglichkeiten, „Glocke um Kopf“, „immer diese Infekte – Antibiotika schlagen mir auf den Magen“;

DD: Iris-Diagnose: veget. labiler „Schleimhautschwächling“, Leberpigmente;
Leberstau; funkt. Blockaden mit Muskelhartspann HWS + BWS;
BioResonanz-Test: Allergien auf Candida, div. Schimmelpilze, Gluten und Hefe;
Stuhl-Labor:             Dysbakterie, (kein Candida-Befall!), Histamin oB, Gallensäuren + sIgA stark vermindert.

Interpretation:
Maldigestion durch fehlende Gallensäuren verstärkt/verursacht(?) die Dysbakterie im Darm (cave Fäulnisflora!); die prinzipielle Abwehrschwäche der Schleimhäute verhindert angemessene und wirkungsvolle Immun-Reaktionen; die allerg. „Dauerbelastung“ führt zu Erschöpfung des Immunsystems; funktionell gestörte Reflexzonen an der Wirbelsäule irritieren die Atemwege
(hier spez. C7 bis Th5).

Therapie:

  • Ernährungsberatung; Bioresonanz-Therapie zur Neutralisierung der Allergene;
  • Darmsanierung: Curcu-Truw (Curcuma = „Gallelocker“) 2-3x tägl. 1 Kps. zum E.;
  • Probiotik sport (= Probiotikum aus Bifido-, Lactobazillen, Enterokokken) 1x tägl. Inhalt eines Beutels in Flüssigkeit zur Immunmodulation über 2 Monate;
  • chiropraktische Mobilisierung + Schröpfmassagen HWS + BWS 1x pro Wo.;
  • 1ml Eigenblut mit TRUW Injectio febrogrippalis Ampullen im wöchentlichen Abstand, 3x;
  • in der 2. Woche befürchtete die Pat. einen beginnenden Infekt: Original-Tinktur N Truw, 5-3x tägl. 15 Tr. p.o. in Flüss. über 5 Tage (Empf.: Rest aufheben und „für das nächste Mal“ als Akutmittel bereitstellen);
  • ab 4. Wo. direkt nach den Schröpfmassagen paravertebrale Quaddelungen mit TRUW Injectio bronchialis + lymphatica Amp. / im Bereich Th 3+4 im wöchentlichen Abstand, 5x.

Ergebnis / Bilanz nach 3 Monaten:
„Glocke um den Kopf“, Nackensteifigkeit, Engegefühl und Druck auf der Brust nach 2 Wo. stabil oB.;
Abdomen nach vorübergehender „Verschlechterung“ zu Beginn der Darmsanierung deutlich besser
(Stuhl-Labor-Kontrolle steht noch aus);
außer angedeuteten leichten Anzeichen eines Infektes in der 2. Wo. Atemwege oB;
keine asthmoiden Zustände mehr; keine Rezidive;
AZ aus Sicht der Pat.: zufriedenstellend; nach außen deutlich „relaxed“.

Die eigene Erkenntnis der Patientin „…es geht offensichtlich auch ohne Antibiotika… Hauptsache, ich werd’ geholfen…“ lässt Patientin und Therapeut optimistisch in die Zukunft schauen.