Therapie-Optionen bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Bernhard Deipenbrock, Heilpraktiker

In der deutschen Todesursachenstatistik stehen die Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Männern sowie bei Frauen an erster Stelle. Selbst wenn man einmal die akuten Todesfälle außen vor lässt, können auch Durchblutungsstörungen, Arteriosklerose und Infarkte für die Betroffenen dramatische Folgen haben: neben den persönlichen körperlichen Beschwerden ergeben sich vielfach zusätzlich psychische Probleme durch Einschränkungen und Belastungen im familiären sowie beruflichen Bereich.

Für den ganzheitlich denkenden Therapeuten stellen sich diese klinisch manifestierten Erkrankungen als bedrohliche Endphasen einer Entwicklung dar, die u. U. schon lange vorher begonnen hat und in Verbindung mit individuellen Lebensumständen, konstitutionellen Schwächen, Ernährungsgewohnheiten und Erschöpfung der körpereigenen Kompensationsmöglichkeiten einen traurigen Höhepunkt erreicht.

Grundlagen:

Für die Ausarbeitung eines wirksamen Therapie-Konzeptes ist die individuelle anamnestische Bestimmung der Risikofaktoren erforderlich, die z.T. durch differentialdiagnostische Maßnahmen / Labor definiert werden können.
Häufig sind folgende Faktoren einzeln oder in Kombination ursächlich für die Herz-Kreislauf-Problematik verantwortlich:

Obstruktive Schlafapnoe (OSA)

Durch Absenken des Zungengrundes / Schnarchen kommt es zu Verlegungen der Atemwege mit Atemaussetzern und Verhinderung der erholsamen Tiefschlafphasen. Sauerstoffmangel (Hypoxie) und Sympathicus-induzierte Hypertonie als Kompensationsversuch erzeugen langfristig endotheliale Dysfunktionen und Arteriosklerose, die zu kardio- und zerebrovaskulären Erkrankungen führen können. Der Zusammenhang zwischen Schlafapnoe und bestimmten Beschwerdebildern ist bekannt. (s. Abb. 1)

schlafapnoe

Therapie-Optionen bei Schlaf-Apnoe:

abendlicher Alkoholverzicht, Gewichtsreduktion, Zahnschiene, Schlaflabor, Lagerungshilfen, nächtliche Maskenbeatmung

Übersäuerung

Eine Fehlernährung mit einem Mangel an basenhaltigem „Grünfutter“, einem Überschuss an stark säurebildenden Lebensmitteln (tierische Eiweiße, Genussmittel, Medikamente) in Verbindung mit Rauchen und Bewegungsmangel sowie Stoffwechselerkrankungen (Diabetes) und Funktionsstörungen von Leber und Nieren können zur Übersäuerung des Körpers führen.

Auf das Herz-Kreislauf-System bezogen bedeutet das: Erschöpfung der Bicarbonatreserven, „Säurestarre“ der Erythrozyten, sinkender Sauerstofftransport, Zunahme des anaeroben Stoffwechsels, kapillare Durchblutungsstörungen mit negativen Folgen für das Gefäßsystem aber auch für die zu versorgenden Organsysteme (Nieren, Gehirn, Herz…).

Therapie-Optionen bei Übersäuerung:

Ernährungsberatung: basenreiche Vollwertkost, Obst, Salate, Gemüse, Tagestrinkmenge > 2 Liter, Auffüllen der Basenspeicher (z.B. mit Basen-Thohelur® / Fa. TRUW)

 

Stress / Psychovegetatives Syndrom, Herzneurose / funktionelle Herzbeschwerden

Hormonell-vegetative Stress-Reaktionen sind zunächst einmal physiologisch als Schutzreaktionen zu verstehen. Bei Dauerbelastung – d.h., wenn die Alarmreaktion nicht „runtergefahren“ werden kann – stellen sich aber gravierende Probleme ein:

Über verschiedene Reaktionsmechanismen kann Stress – neben starker Immun-Suppression – das Vegetativum irritieren und neben funktionellen Störungen langfristig durchaus auch zu klinisch nachweisbaren Erkrankungen im Verdauungstrakt und insbesondere im Gefäßsystem führen und stellt daher einen ernstzunehmenden Arteriosklerosefaktor dar! (s. Abb. 2)

stress

Gerade bei Menschen mittleren Alters, die beruflich und privat noch in der „Aufbauphase“ sind oder in Krisenzeiten um Job und Familie bangen, treten häufig funktionelle Herzbeschwerden auf, die anamnestisch und diagnostisch von Organerkrankungen unterschieden werden müssen. Leitsymptome sind hier häufig die Stressbelastung in Kombination mit konstitutioneller vegetativer Labilität, die über die Iris-Diagnose leicht definiert werden kann. Ein weiteres Leitsymptom sind die belastungsunabhängigen Herzbeschwerden in Ruhephasen, die bei Bewegung und Sport nicht auftreten. (s. Abb. 3)

funktionelle Herzbeschwerden

Therapie-Optionen bei funktionellen Herzbeschwerden:

Zur Behandlung nervös bedingter Herzbeschwerden eignen sich Präparate mit Crataegus, Convallaria, Spigelia u.a., die die koronare und periphere Durchblutung verbessern, das Myocard stärken, die Reizbildung und Erregungsleitung am Herzen normalisieren und insgesamt reizabschirmend wirken – z.B. Confludin® N Tr. / Fa. Truw, 3x täglich 15-20 Tr. Durch die zusätzlich positiv inotrope Wirkung ist Confludin® N auch für die Therapie der leichten Herzinsuffizienz und des Altersherzens geeignet.

Stress-Vermeidung, Stress-Management-Konzepte und Entspannungsverfahren sind prinzipiell wichtig – in den meisten Fällen kurzfristig aber kaum machbar, so dass die symptomatische und die Konstitutionstherapie anfangs erfolgversprechender ist.
(z.B. mit Dysto-Loges® Tr./Tbl. oder Calmvalera® Tr./Tbl. / Fa. Hevert)

In Akutphasen haben sich Interventionen per Injektion bzw. per Infusion mit 7,5 g Vit. C, Vit. B12 und entsprechenden homöopathischen bzw. phytotherapeutischen Ampullen-Präparaten bestens bewährt.
(Dysto-Loges®, Psychoneurotikum®, Zincum val.® …).

Metabolisches Syndrom:

Das Metabolische Syndrom beschreibt eine fatale Kombination aus Übergewicht, Fettstoffwechselstörung, Bluthochdruck und erhöhtem Blutzucker, die langfristig das Gefäß-Endothel schädigt und arteriosklerotische Wandveränderungen mit Plaquebildung („Verkalkung“) induziert. Lösen sich diese Ablagerungen ab, (Plaque-Ruptur) können sie innerhalb Sekunden zu Schlaganfall und Herzinfarkt führen. (s. Abb. 4)

metabolisches Syndrom

Die schulmedizinische Betreuung der Betroffenen gerade in den Bereichen Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörung ist systembedingt eingeschränkt und vielfach vollkommen unzureichend. Ungeeignete Medikamente setzen häufig noch zusätzliche Noxen, unter denen gerade der metabolisch gestörte Patient besonders zu leiden hat.
Frühzeitige Intervention / Prophylaxe und Aufklärung des Patienten sind von äußerster Wichtigkeit!

Zur Adipositas-Definition kann der Body Mass Index (BMI = kg/m²) eine Hilfe sein:

BMI     < 20               =         Untergewicht
> 20 – 25                  =         Normalgewicht
> 25 – 30                  =         Übergewicht
> 30 – 40                  =         Adipositas
> 40                           =         extreme Adipositas

Dass Übergewicht das Sterberisiko deutlich erhöht, ist statistisch hinreichend belegt. Bei bestehenden KHK, Hypertonien und Herzinsuffizienzen erhöht sich das ohnehin größere relative Risiko durch Adipositas noch einmal um Faktor 10!

Fettgewebe ist kein „neutrales Gewebe“, sondern ein endokrines Organ,das in die Blutdruckregelung eingreift!

Adipocyten sezernieren vasoaktive Hormone (Angiotensinogen, Endothelin-1, Aldosteron), insulinresistenzfördernde Proteine (Tumornekrosefaktor alpha, Plasminogen-Aktivator-Inhibitor, Resistin) und das Regulierungshormon Leptin. Eine Folge ist die erhöhte Rückresorption von Natrium und Wasser, was den Blutdruck in die Höhe treibt. (s. Abb. 5)vom Übergewicht zum Hochdruck

Neben dem Einfluss auf die Blutdruckregulation schädigen die Sekretionsprodukte der Adipocyten das Gefäßendothel aber auch direkt, was in Verbindung mit Stress, Fettstoffwechselstörungen und erhöhtem Homocystein die Entstehung arteriosklerotischer Wandveränderungen fördert.

Störungen der physiologischen Regulierung (endotheliale Dysfunktion) des vaskulären Tonus und nachfolgend strukturelle Veränderungen der Gefäße entstehen durch:

  • gestörte NO-Freisetzung (z.B. L-Arginin-Mangel)
  • übermäßige Endothelin-Freisetzung (Vasokonstriktion)
  • mechanische Beanspruchung (Proliferation)
  • chronische Vasokonstriktion (Noradrenalin, Angiotensin II)
  • oxidativer Stress, Sauerstoffradikale, Rauchen
  • vegetativer Stress
  • erhöhter Homocystein-Spiegel
  • Infektionen (Chlamydien?)

Blutlabortechnisch sollten neben einem aussagefähigen Screening-Profil folgende Untersuchungen veranlasst werden:

  • Cardiovaskuläres Risiko:   Homocystein, Lipoprotein a, CRP, Fibrinogen
  • Stoffwechsel:                      Cholesterin, HDL, LDL, Triglyceride, Blutzucker, HbA1C, Leptin
  • Leber:                                    Gamma-GT, GPT
  • Niere:                                    Harnsäure, Kreatinin

Erhöhte Homocystein-Werte (> 8-10 µmol/l) – als ein wesentlicher Risikofaktor – sind therapeutisch gut beeinflussbar und lassen sich in wenigen Wochen mit Vit.-B-Komplexen und Folsäure deutlich senken (z.B. Vaso-Loges® S, 1x tägl. 1 Drg). Bei anderen „Entgleisungen“ wird es schon schwieriger – hier müssen individuelle Therapiekonzepte erstellt werden.

Die schulmedizinische Therapie besteht häufig aus einer Vielzahl von Medikamenten, die die verschiedensten Risikofaktoren abdecken sollen:

Statine gegen erhöhtes Cholesterin (wobei eine differenzierte Untersuchung auf HDL- und LDL-Cholesterin eventuell gar nicht erfolgt ist und eine Cholesterin-Senkung nicht erforderlich wäre!), Blutdrucksenker, Durchblutungsförderer, Thrombozyten-Aggregationshemmer, Antiarrhythmika… Diese speziellen und stark wirksamen Medikamente sind sicherlich im Einzelfall sinnvoll einzusetzen – als „Cocktail“ für einen metabolisch belasteten Patienten stellen sie aber eine weitere nicht unerhebliche Stoffwechselbelastung dar.

Der Naturheilkundler hat durchaus wirkungsvolle Alternativen, die den therapeutischen Forderungen nach Vorbeugung, Sanierung und Wiederherstellung eher entsprechen: So lassen sich durch den Einsatz von Omega-3-Fettsäuren (z.B. Eicosan® 750 Kps. / Fa. Truw, 3x tägl. 1-2 Kps.) zwar nicht die LDL-Cholesterin-Werte spektakulär vermindern – Omega-3-Fettsäuren haben aber einen ähnlichen entzündungshemmenden Effekt wie die Statine, senken zudem noch die Triglyceride und den Blutdruck, verbessern das HDL-LDL-Verhältnis, vermindern die Thrombozyten-Aggregations-Neigung und „pflegen“ das Gefäßendothel. (s. Abb. 6 + 7)

Statine

Omega-3-Fettsäuren

Die Behandlung des metabolischen Syndroms mit seinen vorhandenen bzw. drohenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen erfordert ein sehr individuelles „Therapiepaket“, das die Forderungen nach Ausleitung, Entgiftung, Stoffwechseloptimierung sowie Schutz und Stärkung des Herz-Kreislauf-Systems erfüllt.

Fallbeispiel 1:

Pat., 50 J.      Bankangestellter, klagt über Angst und Beklemmungsgefühl, vermehrtes Schwitzen, Herzklopfen,
vorschnelle Ermüdung, Zerschlagenheitsgefühl

Blutlabor:      alles im Normbereich (BB, DBB, Schilddrüse, Leber, CRP, Lipidstoffwechsel, Elektrolyte…)

Stuhllabor:    massive Darmmykose, pH-Wert 5,1

Diagnosen: Darmmykose, Übersäuerung, Cor nervosum, Myogelosen/BWS

Therapie:      antimykotische Therapie mit Nystatin
Umstellung der Ernährung auf vorwiegend basische Lebensmittel
Auffüllen der Basenspeicher mit Basen-Thohelur®
Schröpfmassage der myogelotischen Rückenmuskulatur
Wg. der Herzsymptome: Confludin® N Tr. / Fa. TRUW, 3x tägl. 30/20 Tr.,
Cor-Vel® Truw Herzsalbe bei Bedarf in die Herzgegend einreiben

Verlauf:          kontinuierliche Besserung der Beschwerden innerhalb von 6 Wochen,
treibt jetzt regelmäßig Sport, ernährt sich besser,
braucht weiterhin „Betreuung“, hat mit den Confludin® Tr. und der Herzsalbe die Möglichkeit, sofort „selber etwas zu tun“

Fallbeispiel 2:

Pat., 78 J.      Rentnerin, klagt über Schwindel, Ohrgeräusche, Gangunsicherheit, Unwohlsein /Übelkeit

Medikation:   bisher: Blutdrucksenker, Lipidsenker, beta-Blocker, Aspirin,
Säureblocker für den Magen, „sämtliche Fette“ gemieden

RR:                115 (!) / 65, Puls 56, leicht arrhythmisch

Blut-Labor:   alles o.B. – außer: ges.-Lipide 1780 mg%, Triglyceride 285 mg%,
ges. Cholesterin 309 mg% (HDL- Chol. 44, LDL-Chol. 207, Quotient 4,7/<3)

Diagnose:    massive Hyperlipidämie, medikamenten-induzierte Hypotonie

Therapie:      außer den beta-Blockern wurde alles abgesetzt,
sie soll mehr trinken und wieder hochwertiges Öl an den Salat geben,
Confludin® N Tr., 3x tägl. 25 Tr.,
Eicosan® 750, 3x tägl. 1 Kps. zum Essen

Verlauf:          nach 3 Wochen traten Unwohlsein und Übelkeit nicht mehr auf;
Schwindel, Ohrgeräusche, Gangunsicherheit hatten sich deutlich gebessert;
der Blutdruck pendelte sich nach 6 Wochen bei 145 / 70 ein, der Puls war unverändert

Blut-Labor:   nach 5 Monaten: ges.-Lipide 1350 mg%, Triglyceride 225 mg%,
ges. Cholesterin 270 mg% (HDL-Chol. 65, LDL-Chol. 190, Quotient 2,9/<3)

Der Fettstoffwechsel und die Herz-Kreislauf-Situation dieser Patientin konnten durch Änderung der Medikation und mit vernünftigen, machbaren Ernährungsempfehlungen in den altersentsprechenden „grünen Bereich“ verändert und die erhebliche Gefährdung durch Nebenwirkungen und Interaktionen des vorherigen „Medikamenten-Cocktails“ gemindert werden.

Fazit

Auch Laborwerte müssen individuell und altersgemäß interpretiert werden – theoretische Idealwerte sind nicht in jedem Fall das Therapieziel.

Von Notfällen abgesehen stehen Funktionsstärkung des Herz-Kreislauf-Systems und die Normalisierung der Stoffwechsellage im Vordergrund der therapeutischen Bemühungen. Wenn es auch nicht immer gelingt, die idealen Laborwerte zu erreichen, so lässt sich doch die Ausgangssituation und die Lebensqualität deutlich verbessern sowie der individuelle Gefährdungsgrad reduzieren, was immer die bessere Prophylaxe darstellt.