Reizdarm, Allergien, Unverträglichkeiten

Matthias Mertler, Heilpraktiker

Teil 1 – Grundlagen / abdominelle Beschwerden
Teil 2 – Differentialdiagnose, Therapie-Optionen (s.u.)

Einleitung

Neben abdominellen Beschwerden „vor Ort“ (Übelkeit, Schmerzen, Krämpfe, Durchfall) machen sich Darmschleimhaut-Irritationen und -Erkrankungen auch in anderen Regionen bemerkbar. Neben Atemwegserkrankungen (NNH / „Heuschnupfen“, asthmoide Beschwerden / chronische Bronchitis) deuten im Praxisalltag häufig Hautprobleme auf die Darmproblematik hin.

So sind Juckreiz, Rötung, Lidödeme, Ekzeme bis hin zu „Neurodermitis“ in vielen Fällen als Indikator bzw. die Haut als Ventil, das den „Überdruck“ ablässt, zu betrachten.

Für den Therapeuten ist es von Vorteil, sich die Problematik als Fassmodell vorzustellen: viele Faktoren beeinflussen im Laufe eines Lebens das Immunsystem – eines Tages kommt dann das Tröpfchen, welches das Fass zum Überlaufen bringt und die Symptome den Patienten in die Praxis treiben.

Therapeutisch ist es nun wichtig, die Ursachen herauszufinden und nicht an dem „Tröpfchen“, den Auslösern, herumzudoktern.
(s. Abb. 1)

Fassmodell

Der gemeinsame Nenner für zahlreiche Atemwegs-, Haut- und Darm-Beschwerden ist in vielen Fällen das entgleiste Darmmilieu, das über die Schwächung der Mucosabarriere zu Lebensmittel-Unverträglichkeiten, Allergien und Darmerkrankungen führt.

So hat das intestinale Ökosystem eine zentrale immunmodulierende Rolle und eine herausragende Bedeutung für die Gesundheit des Gesamtorganismus.

Grundlagen

Abdominelle Beschwerden lassen sich differentialdiagnostisch verschiedenen Bereichen zuordnen:

  • Funktionelle Dyspepsie durch Organ-, Enzymschwächen, psycho-vegetative Störungen
  • Reizdarm durch Darm-Milieustörungen, -Erkrankungen
  • Allergien als mengenunabhängige, IgE-assoziierte Sofortreaktionen
  • Unverträglichkeiten mit mengenabhängiger, IgG-assoziierter Spätantikörper-Reaktion
  • Infektiöse oder chronische Darmerkrankungen, die aber nicht Thema dieser Ausführungen sind und sich schulmedizinisch gut diagnostizierbar darstellen

Anamnestisch können die relativ typischen Beschwerdebilder der Funktionellen Dyspepsie (FD) vom Reizdarmsyndrom (RDS) recht gut unterschieden werden. Die dahinter stehenden pathogenetischen Mechanismen liefern die Stichworte für weitergehende differentialdiagnostische Überlegungen.

Funktionelle Dyspepsie

typische Beschwerdebilder:

  • Oberbauchschmerzen
  • epigastrischer Druck
  • retrosternaler Druck
  • frühes Sättigungsgefühl
  • Druck- und Völlegefühl
  • Rülpsen
  • Übelkeit, Erbrechen
  • Sodbrennen, saures Aufstoßen

pathogenetische Mechanismen:

  • Motilitätsstörungen
  • Perzeptionsstörungen
  • säureinduzierte Störungen
  • Helicobacter pylori

Reizdarmsyndrom

typische Beschwerdebilder:

  • diffuse Leibschmerzen
  • Meteorismus / Blähungen
  • Flatulenz
  • Veränderung der Stuhlfrequenz
  • Veränderung der Stuhlkonsistenz
  • Obstipation / Diarrhoe
  • Besserung durch Defäkation

pathogenetische Mechanismen:

  • viszerale Hyperalgesie
  • Darmmilieustörungen
  • Motilitätsstörungen
  • Störungen des Nervensystems
  • psychosomatische Störungen

Neben zahlreichen externen Auslösern (Stress, Ernährungsfehler, Medikamente…) und evtl. bestehenden Grunderkrankungen (Diabetes mell., Tumore, Colitis ulcerosa, M. Crohn…) führen Dyspepsie / Maldigestion zu Darmmilieustörungen, die wiederum die Ursache für Funktionsstörungen, Schleimhautläsionen und immunologische Erkrankungen darstellen. (s. Abb. 2)

Darmmilieustörungen

Dabei sind die sog. maskierten oder Basisallergene aus dem Lebensmittelbereich besonders hinterhältig: jeden Tag oft mehrmals zugeführt, schwächen sie das Immunsystem ursächlich über lange Zeit, bis es zum „Systemzusammenbruch“ evtl. auch durch andere Auslöser (Stress, Infekte…) kommt.

Mengenabhängige Unverträglichkeiten sind für die Patienten ebenfalls eine echte Herausforderung: in vielen Ernährungstagebüchern mehrfach als bekömmlich registriert, können sie bei Überschreiten der Toleranzgrenze bzw. bei Summation mit anderen unverträglichen Lebensmitteln ebenfalls heftigste Reaktionen auslösen.

Anamnese, Differential-Diagnostik:

Die ganzheitliche Betrachtungsweise eröffnet dem Therapeuten eine ganze Reihe sinnvoller und therapierelevanter Diagnosemöglichkeiten:

  • Irisdiagnostik: zeigt uns die konstitutionellen Organ-Schwächen, Stoffwechselbelastungen und die psycho-vegetative Ausgangslage
  • Stuhl-Labor: sollte die Differenzierung des Darmmilieus (Flora, Fremdkeimbesiedlung, pH-Wert) beinhalten; weitere Parameter wie Verdauungsrückstände / Enzymproduktion, Immunglobuline / sIgA, Histamin, Entzündungsmarker bis hin zu Tumormarkern erlauben eine therapierelevante Beurteilung
  • Blut-Labor: neben einem aussagefähigen Screening-Programm kann die Stufendiagnostik von IgE und IgG differenziertere Aussagen ergeben
  • Energetische Tests: Bioresonanz- und kinesiologische Tests entlarven die allergisierenden und unverträglichen „Übeltäter“
  • Bildgebende Verfahren zur Ausschlussdiagnostik (RÖ, US, MRT…)

Abb. 3 zeigt die lymphatisch, neurogene Konstitutionsschwäche mit der starken Allergieneigung.
Diesen Menschen kann man häufig schon mit Lymphmitteln / -Kuren und der Stabilisierung des „Nervenkostüms“ gut helfen.

lymphatisch-neurogene Konstitution

Abb. 3   lymphatisch-neurogene Konstitution

dyskratische Konstitution

Abb. 4   dyskratische Konstitution

Abb. 4 zeigt den dyskratischen, stoffwechselbelasteten Patienten, der mit Dysbiose, Fäulnis- und Gärungsvorgängen seine Leber überfordert, wobei die klassischen Blut-Leber-Werte durchaus noch lange Zeit im Normbereich sein können. Hier bringt eine aussagefähige Stuhluntersuchung Klarheit und zeigt therapeutische Ansätze auf. Die schulmedizinisch i.d.R. angesagte Endoskopie und der Hämocculttest bringen uns dabei nicht weiter!

Der Einfluss der Darmflora auf die Gesundheit ist von grundlegender Bedeutung:

ein intakter „Bakterienrasen“ auf einer gesunden Schleimhaut führt i.d.R. zu einer physiologischen Immunmodulation des hinter der Darmwand („auf der Blutseite“) befindlichen Zentrums unseres Immunsystems im Körperinneren. (s. Abb. 5)

intakter Bakterienrasen

Abb. 5    intakter Bakterienrasen
(Foto: Fa. Nutrimmun)

Fremdkeimbesiedlung

Abb. 6    Fremdkeimbesiedlung
(Foto: Fa. Nutrimmun)

Fremdkeimbesiedlungen (Fäulnis-, Gärungs-Keime, Verpilzung…), und andere Einflüsse zerstören u.U. die Barrierefunktion der Mucosa. (s. Abb. 6)

In der Folge können größere Nahrungsmittelbestandteile und Keime die „löchrige“ Schleimhaut durchdringen und das nachgeschaltete Immunsystem belasten.

Die als Leaky gut-Syndrom bezeichneten Schleimhaut-Schäden und -Funktionsstörungen führen zu einer „Schieflage“ der immunologischen Reaktionen: aus einer kontinuierlichen, unspektakulären aber effektiven Abwehrarbeit wird eine überschießende, wenig effektive, allergische Abwehrlage, die sich mit der Zeit erschöpft und zu chronischen Funktionsstörungen führen kann.

Therapie-Optionen / Vorgehensweise:

Für eine sinnvolle Vorgehensweise hat sich die Einteilung in drei Phasen bewährt, die dem zeitlichen Ablauf in der Praxis entsprechen.

  • Phase 1: Hier steht die symptomatische Intervention im Vordergrund; der Patient hat Schmerzen, Krämpfe, Durchfall, Juckreiz, Unverträglichkeiten („…ich weiß nicht mehr, was ich überhaupt noch essen kann…“). Diese Beschwerden müssen verständlicherweise möglichst schnell „bedient“ werden, um eine weitere Abklärung und spätere gezielte Therapie zu ermöglichen.Eine Maßnahme, die immer sinnvoll ist und oft verblüffende positive Effekte zeigt, ist die drastische Erhöhung der Trinkmenge (> 3 ltr.) zur Durchspülung!

Nachfolgend eine Auflistung bewährter Präparate für die „Erstversorgung“
(kein Anspruch auf Vollständigkeit und Ausschließlichkeit):

  • Durchfall:      Activomin Kps. (Huminsäuren), Fa. Pharmawerk Weinböhla
  • abdom. Beschwerden: s. Homöosiniatrie- / Injekto-Akupunktur-Konzepte, Fa. Loges, Fa. Pascoe, Fa. Truw
  • Spasmen:    Spascupreel Amp., Fa. Heel
  • Ödeme:         Apis-Homaccord Tr. / Amp., Fa. Heel + Lymphomyosot Tr./Tbl.
  • Infusion:        Vit. C 7,5g als Kurzinfusion evtl. mit Zincum val. Amp., Fa. Hevert oder Psychoneurotikum Amp., Fa. Pharmarissano
  • Juckreiz:        Cefabene Cistus Kplx. Amp., Fa. Cefak oder Histamin-Injeel Amp., Fa. Heel
  • Äußerlich bei Juckreiz, Ekzemen: Physiogel A.I. Lotion / Creme, Fa. Stiefel / gsk

Parallel zu dieser „Erstversorgung“ stimmen wir den Patienten auf eine Stuhluntersuchung ein und erklären ihm die Modalitäten der Probengewinnung, die in einem Begleitschreiben zum Abnahmematerial nochmals beschrieben sind.

Die Möglichkeiten der modernen Stuhldiagnostik sind sehr vielfältig und z.T. recht kostenintensiv – es ist Aufgabe des Therapeuten, für den jeweiligen Patienten auf Basis der Anamnese und des Beschwerdebildes ein individuell sinnvolles Profil anzufordern.
Wenn man sich im Einzelfall nicht ganz sicher ist, sollte man das Beratungsangebot des Labors in Anspruch nehmen. (s. Abb. 7)

Stuhllabor

  • Phase 2: gezielte Therapie auf der Basis der inzwischen vorliegenden Laborbefunde und somit definierbaren Störungen. Die daraus ableitbaren Therapie-Optionen können individuell sehr unterschiedliche Schwerpunkte haben (Darmsanierung, Funktionsstärkung, Organpflege, Immunmodulation, Ernährungsberatung, Vitalstoffsubstitution, Coaching…)
  • Phase 3: langfristige Sicherung und Stabilisierung

 

Teil 2: Differentialdiagnose, Therapie-Optionen

Im ersten Teil wurden die grundsätzlichen Überlegungen bei abdominellen Beschwerden erläutert (Funktionelle Dyspepsie, Reizdarm) und die Veränderungen / Störungen der Darmflora als eine häufige Ursache nicht nur für Funktionsstörungen sondern auch für immunologische Probleme (Leaky-gut-Syndrom, Allergien, Unverträglichkeiten) bis hin zu chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (M. Crohn, Colitis ulcerosa) beschrieben.

Zu Phase 2:

Wenn wir unseren Patienten die Stuhluntersuchung empfehlen, gibt es häufig folgende Antwort: „…das hat mein Doktor schon gemacht – mit dem Darm ist alles in Ordnung, ich muss auch regelmäßig auf’s Klo…“.

Hier stellen sich gleich mehrere Fragen: Was hat der Doktor denn gemacht? Was ist denn mit „alles“ gemeint? Und der regelmäßige Stuhlgang ist natürlich kein Argument für einen gesunden Darm (Fragen nach Passagezeiten, Konsistenz, Farbveränderungen können meist auch nicht beantwortet werden – Tiefspüler-Toiletten sind hier kontraproduktiv!).

Meist stellt sich dann heraus, dass neben dem Hämoccult-Test noch eine Endoskopie durchgeführt wurde, die natürlich nichts über Funktionsstörungen, Fehlbesiedelung und immunologische Erkrankungen aussagt. Endoskopisch kann man nur das sehen, was optisch sichtbar/verändert ist (Entzündungen, Polypen, Divertikel, Tumore…).

Der Sinn solcher Untersuchungen als Erstmaßnahme zur allgemeinen Vorsorge ist durchaus diskussionswürdig – hier kann nach meinen Erfahrungen eine entsprechende Stuhluntersuchung an erster Stelle und die gezielte Darmsanierung / Immunmodulation in vielen Fällen Schlimmeres verhindern. Erst bei entsprechenden Befunden wäre die Endoskopie eine sinnvolle und weiterführende diagnostische Maßnahme. (s. Abb. 8)

DD Stuhl

Wichtig für eine aussagefähige Stuhluntersuchung ist ein gewisser Umfang – soll heißen: wenn die Parameterauswahl sich nicht an der Problemstellung orientiert oder die Tests nicht ausreichend in Breite und Tiefe gehen, ist man schnell auf „dem falschen Dampfer“.

Ein Beispiel: eine neue Patientin brachte vom Vorbehandler das Ergebnis einer Stuhlflora-Untersuchung mit, die für sich gesehen – neben einer leichten Verminderung der sog. Leitkeime – durchaus noch im „grünen Bereich“ war. Es wurde daher auch auf eine Therapie in dieser Richtung verzichtet.

Da die Patientin unter Lebensmittel-Unverträglichkeiten und ztw. Juckkrisen litt, „überredete“ ich sie zu einer weiteren und erweiterten Stuhluntersuchung, die zur Diagnose Abwehrschwäche an der Darmschleimhaut (= deutlich vermindertes sIgA) und Histaminose (= stark erhöhtes Histamin) führte. Die daraufhin eingeleitete Therapie zur Abdichtung der Schleimhäute mit Huminsäuren (Activomin Kps), der Immunstimulation mit Probiotika (hier: Mutaflor Kps. und Probiotik pur Plv. – trotz anscheinend zahlenmäßig ausreichender Symbionten) sowie einer vorläufigen histaminarmen Ernährung (z.B. kein Rotwein, Sauerkraut, Thunfisch, Parmesan…) brachte schon nach einer Woche eine deutliche Besserung!

Eine brauchbare Stuhl-Untersuchung, aus der sich erfolgversprechende Therapie-Optionen ableiten lassen, sollte daher aus einem Basisprofil und individuell sinnvollen und beschwerdebezogenen Ergänzungsparametern bestehen, um folgende Fragestellungen beantworten zu können:

Basis-Parameter

Stuhl-Flora-Status:
Sind die richtigen Bakterien / Symbionten im richtigen Mengenverhältnis vorhanden?
Liegt ein Fremdkeimbefall vor? (z.B. Pilze)
Wie ist das pH-Milieu? (pH < 6.0 deutet auf Gärungszustände und pH > 7.0 deutet auf Fäulniszustände hin)

Daraus ergeben sich verschiedene therapeutische Konsequenzen:

Fehlende Leitkeime (Bifido-, Lactobazillen, Escherichia coli, Enterokokken) lassen sich gezielt mit diversen Probiotika substituieren (z.B. Probiotik pur oder Probiotik sport Plv., Mutaflor Kps.). Der Begriff Probiotika beschreibt Lebendkeimpräparate, die im Gegensatz zu sog. Lysaten (= Extrakte aus entsprechenden Keimen) nicht nur immunmodulatorisch sondern auch antagonistisch Fremdkeimen gegenüber wirken („Verdrängungsstrategie“). (s. Abb. 9)

Immunmodulation probiotikaEin Befall mit Candida alb. kann mit Nystatin (z.B. Adiclair Tbl.) oder Myrrhe (z.B. mit Myrrhinil-Intest Tbl.) behandelt werden.
Da ein Candida-Befall keine eigenständige Erkrankung, sondern meist die Folge von immunologischen und/oder milieubedingten Störungen ist, muss hier schon „weiter ausgeholt“ werden.

Niedrige / saure pH-Werte sind mit basenhaltigen Präparaten (z.B. Basen-Thohelur Granulat) und hohe / alkalische pH-Werte mit Rechtsmilchsäure (z.B. Remisyx Tr.) korrigierbar – sollten aber auch im Rahmen der Ernährungsberatung thematisiert werden.

Verdauungs-Rückstände / -Enzyme:

Hier werden die (unverdauten) Nahrungsbestandteile im Stuhl bestimmt, die sich ja nicht neutral verhalten, sondern in hohem Maß zu Gärung und Fäulnis führen können. Dabei spielen Ernährungsfehler und/oder Enzymmängel die wichtigsten Rollen.

Auch bei „richtiger“ Ernährung können fehlende Enzyme (hier Gallensäuren und Pankreas-Elastase) zu mangelhafter Fettverdauung bzw. zu Kohlenhydrat- und Eiweißüberschüssen führen, die dann die latent vorhandenen Gärungs- und Fäulniskeime „mästen“ und später auch zu immunologischen Folgeerkrankungen führen können. (s. Abb. 10)

Maldigestion

Ergänzungs-Parameter

Immunologie (Schleimhautabwehr):

Histamin = biogenes Amin, Gewebehormon, Neurotransmitter; erhöht bei DAO-Mangel (Di-Amino-Oxidase = Enzym zum Abbau von körpereigenem und mit der Nahrung zugeführtem Histamin), erhöhter Zufuhr histaminhaltiger Nahrungsmittel (Rotwein, Sauerkraut…) und verstärkte Freisetzung durch Histamin-Liberatoren (Kaffee, Schokolade, Medikamente…)

sIgA = körpereigener Schleimhautschutz, erhöht bei Reizung / Entzündung, erniedrigt bei „Erschöpfung“
(Chronizität, Vitalstoffmangel…)

eIgE    erhöht bei akuten Allergien

eIgG    erhöht bei chron. Allergien

Entzündung:

CRP    ist der empfindlichste Entzündungsmarker und zeigt sehr frühzeitig entzündliche Reizungen der Schleimhaut an (Gewebeschäden, erhöhte Durchlässigkeit).

Anti-Gliadin sIgA   als Hinweis auf eine Gluten-Enteropathie (Zöliakie, Sprue)

Colon-Ca:

M2-PK   dieser Marker ist auch bei Polypen positiv und sollte letztlich nur in Verbindung mit anderen / weiteren Untersuchungen (Endoskopie) zu Ca-Diagnose führen.

Pathogene Keime:

Hier können – je nach Fragestellung – gezielt zahlreiche Keime nachgewiesen werden:
vom Helicobacter pylori-Antigen über enteropathogene Viren und Bakterien bis zu Parasiten.
An dieser Stelle sei auch an die Vorgaben des Infektionsschutz-Gesetzes erinnert!

Darüber hinaus können bei bestimmten Fragestellungen weitere Parameter in speziellen Kombinationen bestimmt werden, die gezieltere Aussagen z.B. zu Entzündungsvorgängen (Calprotectin, Dopamin, CRPs, Parasiten…) oder der Schleimhaut-Immunität (sIgA 1= Dünndarm, sIgA 2= Dickdarm, Defensin = spez. Schleimhautabwehr) zulassen.

Nachfolgend soll an zwei Fallbeispielen die therapeutische Vorgehensweise verdeutlich:

Fallbeispiel 1:

Patientin, 52 J.,       stressbelastete Büroangestellte, fehlernährt , „Schleckermaul“

Beschwerden:         Meteorismus, wechselnde Stuhlkonsistenz, Unverträglichkeiten, Lidödeme, Ekzeme / seitl. Hals bds.

Befund:                     große Gasmengen im Abdomen; Leberstau (Zahnabdrücke/Zunge, bei normalen Blutwerten)

Stuhl-Labor:             Bifido- und Laktobazillen stark vermindert
Candida alb. stark vermehrt; pH-Wert 5,2 (!)
Zucker stark vermehrt (bei normaler Pankreas-Elastase)
Histamin und sIgA normal

Interpretation:          durch kohlenhydratreiche Fehlernährung (keine Enzymschwäche!), Gärungsmilieu und Stress (wirkt immunsuppressiv!) konnte Candida alb. hochwuchern, dessen Toxine für die Lymphbelastung und die Hauterscheinungen verantwortlich waren

Therapie:                  Probiotik pur Plv. morgens und abends je 1Btl. mit viel Flüssigkeit über 4 Wo.; Nystatin 3×1 Tbl. nach d. E. über 2 Wo. (führte am 2. und 3. Tag zur Verschlechterung des Hautbildes = Herxheimer-Reaktion !?); Basen-Thohelur Granulat abends 1 Stick mit Flüss. vor d. Schlafen

Verlauf:                      deutliche Besserung schon nach 1 Wo.; nach 5 Wo. o.B.
Zur Klärung der Lebensmittelunverträglichkeiten ist eine Bioresonanz-Testung vorgesehen

Nachkur:                   Mucozink Plv. 3×1 EL in Flüss. vor d. E. zur Regeneration der Schleimhäute und Vitalstoffsubstitution

 

Fallbeispiel 2

Patient, 38 J.,           stressbelasteter Jungunternehmer, Atopiker

Beschwerden:         „schon immer“ Heuschnupfen, Leistungsschwäche, zahlreiche Lebensmittelunverträglichkeiten / abdominelle Schmerzen, Juckkrisen

Befund:                     Standard-Blut-Labor über Hausarzt o.B;
Iris-Diagnose: vegetativ sensibel, Magen-Darm-Zone stark aufgelockert
Bioresonanz-Test: u.a. Allergien auf Weizen, Soja, Emulgatoren…

Stuhl-Labor:             physiologische Leitkeime deutlich vermindert; Clostridien und hämolysierende E. coli stark vermehrt, pH-Wert 8,2; unverdaute Fette stark vermehrt (bei ausreichenden Gallensäuren!);
Histamin und sIgA stark vermehrt

Interpretation:          Schleimhautreizungen durch chronisch-allergische Reaktionen, die zu fettreiche Ernährung und der fehlende Antagonismus einer physiologischen Flora führten zu einer Fäulnisflora und weiteren Allergien und Unverträglichkeiten

Therapie:                  Rechtsmilchsäure / RMS Asconex 3×20 Tr. in Flüss. vor d. E. zur Milieukorrektur; Activomin (= Huminsäuren) 3x 2(1) Kps. z. E. zur Abdichtung der gereizten und durchlässigen Darmschleimhaut (Leaky-gut-Syndrom); Probiotik sport Plv. abends 1Btl. vor dem Schlafen mit viel Flüssigkeit über 2 Monate; (Mutaflor Kps. wären als Antagonist prinzipiell sinnvoll – als starker Immunstimulator in diesem Fall wg. erhöhtem sIgA aber kontraindiziert !) Weitere Bioresonanz-Testungen zur Pollenproblematik und eine Nachkur mit Mucozink Plv. zur Regeneration der Schleimhäute und Vitalstoffsubstitution sind vorgesehen

Verlauf:                      guter „Trend“ nach 2 Wo.; stabile Besserung nach 4 Wo.

Neben der Ernährungsberatung wurde wg. der drohenden Pollenproblematik die Notwendigkeit einer konsequenten sowie längerfristigen Immunmodulation abgesprochen und zusätzlich Nutriglucan abends 1×3 Tbl. verordnet. Neben Vit. B, C und Zink sind in diesem Präparat sog. β-Glucane enthalten, die über eine Makrophagenstimulation die Umwandlung der T-Helfer-Mutterzellen in Th 1-Zellen forciert. Diese sind im Gegensatz zu Th 2-Zellen, die für allergisch-überschießende Reaktionen verantwortlich sind, in der Lage, effektiv und „unaufgeregt“ ihren immunologischen Aufgaben nachzukommen. (s. Abb. 11)

Immunmodulation β-Glucane

 

Zu Phase 3 / längerfristige Sicherung und Stabilisierung:

Die häufig in den ersten Phasen erreichbaren Verbesserungen dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass bei ungenügender Stabilisierung des Darmmilieus, Inkonsequenz des Patienten bei der Ernährung und „Verschludern“ weiterer therapeutischer Maßnahmen wieder Rückfälle drohen.

Konstitutionelle Schwächen aber auch Organerkrankungen legen oft den Grundstein – Stresssituationen, Ernährungsumstellung im Urlaub, banale Infekte und andere Ereignisse sind dann häufig der Auslöser für Rezidive.

Auf der Basis einer individuellen und intensiven Betreuung unserer Patienten sollten wir in der Lage sein, vorausschauend prophylaktische Möglichkeiten aufzuzeigen. Das kann die Mithilfe beim Anlegen einer Haus- oder Urlaubsapotheke genau so sein, wie die Empfehlung zu vorbeugenden Kuranwendungen und die Forderung, beim nächsten Mal nichts „auf die lange Bank“ zu schieben. Da Stress hochgradig immunsuppressiv wirkt, sollte auch hier in Krisenzeiten mit vegetativ stabilisierenden und abschirmenden naturheilkundlichen Präparaten bzw. Therapien gearbeitet werden.

Neben den beschriebenen Interventionsmöglichkeiten in der Akutphase (s. Phase 1) hat sich bei entsprechend vorbelasteten Patienten die wiederkehrende, kurmäßige Immunmodulation mit Probiotika (z.B. Probiotik protect Plv.), dem Einsatz von Lymphmitteln in Verbindung mit Trinkkuren und die Substitution von Vitalstoffen (z.B. Mucozink Plv.) 2x im Jahr über je 3 bis 4 Wochen langfristig bewährt.

 

Quellennachweis:

Alle Abb.:

Naturheilpraxis Deipenbrock & Mertler
Heilpraktiker
Kirchstr. 2, 58332 Schwelm

Literatur:

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  • Böhm, U.: Mikronährstoffmedizin, Jürgen-Hartmann-Verlag, Heßdorf-Klebheim, 2005
  • Labor Drs. Hauss: Benutzerhandbuch, 2006
  • Martin, M.: Leitfaden der Mikrobiologischen Therapie, Ralf-Reglin-Verlag, 1996
  • Mücke, W./Lemmen, Ch.: Schimmelpilze, ecomed, Landsberg, 1999
  • Petricevic-Riedel, D./Zühlke, G.: Allergien, Möwe, Idstein, 1991
  • Rosler,P.: Stuhldiagnostik, Haug-Verlag, Heidelberg, 1998
  • Rusch, V.: Bakterien – Freunde oder Feinde, Urania, Berlin, 1999
  • Schulze, J. et al.: Probiotika, Hippokrates, Stuttgart 2008
  • Interdisziplinäres Symposium, Alfred-Nissle-Gesellschaft, Hagen, 2000
  • Schiemann, M./Sonnenborn, U./Schulze, J./Müller, H.:125 Jahr E. coli, Alfred-Nissle-Gesellschaft, Hagen, 2010